Eine Diskussion als Premiere

Im Theater Kosmos fand diesen Mittwoch zum ersten Mal eine Podiumsdiskussion zum Thema LGBTIQ (Lesbian, Gay, Bi, Trans, Inter und Queer) und der Landespolitik statt. Der Einladung des Vereins GoWest sind ÖVP, SPÖ, Grüne, NEOS sowie „Der Wandel“ gefolgt. Kurzfristig abgesagt hat die FPÖ.

 

Sensibilisierung und externe Angebote

Homo- und Transphobie findet nach wie vor in verschiedenen Kontexten statt: In der Schule, am Arbeitsplatz, in Landesbehörden oder im öffentlichen Raum. Dabei handelt es sich bei Diskriminierung auch um Situationen, in denen man mit negativen Konsequenzen folgen, wenn man so ist, wie man ist. Im Kontext der Schule stellten Veronika Marte und ihr Kollege Michael Felder (ÖVP) in Frage, ob ein Outing im Jugendalter zwingend notwendig sei, während die anderen Parteien, teils aus eigenen Erfahrungen im Familien- und Freundeskreis, die Verschiebung des Outings als keine Option erachteten. Letztendlich gab es jedoch bei allen Parteien Einigkeit: Einerseits sollen Lehrpersonen für solche Klassensituationen sensibilisiert sein, gleichzeitig seien externe Angebote – wenn diese gewissen Standards entsprechen – hilfreich. Bei Landesbediensteten wäre das Thema Antidiskriminierung bereits Teil des Verwaltungslehrgangs, dennoch halten Koalitionspartner*innen Johannes Rauch (Grüne) sowie Veronika Marte (ÖVP) fest, dass Sensibilisierung ein fortwährender Prozess sei, um den man sich laufend und langfristig kümmern muss.

 

Konkrete Maßnahmen für Trans- und Interpersonen

Wenn Transmenschen eine Personenstandsänderung entsprechend ihrer geschlechtlichen Identität durchführen lassen wollen, sind diese derzeit in Vorarlberg noch von der Gunst der Bezirkshauptmannschaften abhängig. Denn in diesem Falle ist nicht nur ein psychologisches Gutachten erforderlich, die Standesbeamt*innen können in letzter Instanz ein Veto einlegen. Laut Lillian Stromberger (Wandel), selbst Transfrau und mit anderen Transmenschen vernetzt, findet diese Art der Diskriminierung in einigen Fällen statt. Alle Parteien waren sich an diesem Abend einig, dass es hier klare Richtlinien geben muss, und ein psychologisches Gutachten ausreichend sein sollte, um eine Personenstandsänderung vornehmen zu können.

 

Zwischen offenen Zweifeln und pragmatischem Konsens

Weitere Themen wie der rechtlichen Situation für künstliche Befruchtung für Singles oder dem medizinischen Umgang mit intergeschlechtlichen Menschen nach der Geburt wurden mit der notwendigen Tiefe und Zeit verhandelt und auch offene Zweifel geäußert. Bei letzterem Thema habe das Land wenig direkte Möglichkeiten, zumal hier auch eine europäische Lösung gefragt sei, wenn Eltern beispielsweise Eingriffe im Ausland durchführen lassen. Das Gespräch mit der Ärztekammer soll aber gesucht werden. Die Diskussionsrunde war geprägt von einer offenen Atmosphäre, die auch Konsens zwischen den Parteien erlaubte. Neben konkreten Maßnahmen und höheren Fördersummen, die LGBTIQ-Initiativen gewidmet werden könnten, soll in Zukunft der Dialog zwischen Land und Community weitergeführt werden, um aktuelle Themen von LGBTIQ-Menschen zu erkennen und auf Landesebene anzugehen.

 

Podiumsgäste:

Veronika Marte, ÖVP (Joker: Michael Felder)

Martin Staudinger, SPÖ (Joker: Michael Andreas Egger)

Johannes Rauch, Grüne (Joker: Patricia Tschallener)

Sabine Scheffknecht, NEOS (Joker: Dominik Greußing)

Lillian Stromberger, Der Wandel